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Einflussfaktoren auf die Verzinsung vonAltersguthaben in der beruflichen Vorsorge

  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Warum verzinsen manche Pensionskassen die Altersguthaben ihrer Versicherten deutlich höher als andere? Diese Frage beschäftigt Versicherte, Arbeitgeber und die Öffentlichkeit gleichermassen – oft münden die Antworten darauf in vereinfachte Ranglisten und pauschale Urteile. Eine neue Masterarbeit der Universität St. Gallen (HSG) zeigt nun mit einer breiten empirischen Datengrundlage, dass die Realität deutlich komplexer ist.



Die vollständige Studie finden Sie hier:



Fast 1'000 Vorsorgeeinrichtungen unter der Lupe

Für seine Arbeit untersuchte Renato Konrad einen Paneldatensatz der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV) mit rund 1’000 Schweizer Vorsorgeeinrichtungen über die Jahre 2020 bis 2024.

Mittels Panelregressionen analysierte er, welche finanziellen und strukturellen Kennzahlen die Verzinsung erklären – und liefert damit eine der fundiertesten empirischen Grundlagen zur Verzinsungspolitik in der zweiten Säule.


Die Anlagerendite bleibt der wichtigste Einflussfaktor

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Innerhalb derselben Vorsorgeeinrichtung ist die tatsächlich erzielte Anlagerendite über die Zeit mit Abstand der wichtigste Einflussfaktor auf die Verzinsung der Altersguthaben. Pensionskassen, die langfristig erfolgreich und risikobewusst investieren, schaffen damit die Grundlage für höhere Leistungen ihrer Versicherten.


Diese Erkenntnis bestätigt eine verbreitete Annahme. Sie erklärt jedoch nur einen Teil der Unterschiede zwischen den Pensionskassen.


Strukturelle Unterschiede erklären die Differenzen zwischen den Kassen

Vergleicht man verschiedene Vorsorgeeinrichtungen miteinander, zeigt sich ein anderes Bild. Hier bestimmen vor allem strukturelle Merkmale, wie hoch die Altersguthaben verzinst werden. Besonders wichtig sind:


  • der Anteil des Rentnerkapitals

  • der Anteil des BVG-Altersguthabens

  • der Deckungsgrad


Je nach Art der Vorsorgeeinrichtung spielen weitere Faktoren eine Rolle. Bei Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen beeinflussen insbesondere die Wertschwankungsreserven die Verzinsung. Sie zeigen, wie gut eine Kasse finanzielle Schwankungen auffangen kann. Bei firmeneigenen Pensionskassen ist vor allem der Deckungsgrad entscheidend.


Die Verzinsung der Altersguthaben ist deshalb weder ein politischer Entscheid noch Ausdruck von Beliebigkeit. Sie ergibt sich aus den finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen der jeweiligen Vorsorgeeinrichtung..


Warum einfache Vergleiche zu kurz greifen

Die Studie zeigt, dass direkte Vergleiche oder Ranglisten von Pensionskassen häufig ein verzerrtes Bild vermitteln. Werden strukturelle Unterschiede nicht berücksichtigt, sind solche Vergleiche nur begrenzt aussagekräftig.


Eine Pensionskasse mit einem hohen Anteil an Rentnerinnen und Rentnern oder einem tieferen Deckungsgrad hat andere Voraussetzungen als eine junge, gut kapitalisierte Kasse. Ein Vergleich der Verzinsung allein wird diesen Unterschieden nicht gerecht.


«Die Arbeit von Renato Konrad zeigt eindrücklich, dass vereinfachende Vergleiche der Vielfalt in der zweiten Säule nicht gerecht werden», sagt Nico Fiore, Geschäftsführer von inter-pension. «Wer die berufliche Vorsorge seriös beurteilen will, muss strukturelle Unterschiede zwischen den Einrichtungen berücksichtigen und darf einzelne Kennzahlen nicht isoliert betrachten.»


Der Balanceakt des Stiftungsrats

Die Studie zeigt auch, vor welcher Herausforderung Stiftungsräte jedes Jahr stehen. Wird zu viel Rendite an die Versicherten weitergegeben und gleichzeitig zu wenig für Wertschwankungsreserven zurückgestellt, kann dies bei einer Marktkrise schwerwiegende Folgen haben. Im Extremfall drohen sogar Haftungsansprüche gegen den Stiftungsrat.


Fällt die Verzinsung dagegen zu tief aus, steigt die Unzufriedenheit der Versicherten. Besonders Sammel- und Gemeinschaftseinrichtungen stehen hier unter Druck, da sie im Wettbewerb um neue Anschlüsse attraktive Leistungen bieten müssen.


Fazit: Differenzierung statt Pauschalurteile

Die Studie zeigt, dass einfache Aussagen wie «Unsere Renten schrumpfen, weil Pensionskassen falsch investieren» zu kurz greifen.


Unterschiede bei den erzielten Anlagerenditen bestehen tatsächlich und können sich über ein Erwerbsleben hinweg deutlich auf die Höhe der Altersleistungen auswirken. Gleichzeitig macht die Analyse deutlich, dass die Verzinsung immer im Zusammenhang mit den strukturellen Voraussetzungen einer Vorsorgeeinrichtung betrachtet werden muss.


Wer die Verzinsung von Pensionskassen fair beurteilen will, muss deshalb sowohl die Anlagerendite als auch die finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen berücksichtigen.


Eine langfristig stabile zweite Säule braucht differenzierte Analysen und faktenbasierte Diskussionen statt vereinfachender Pauschalurteile.


Über den Herausgeber

Dieser Beitrag basiert auf der Masterarbeit von Renato Konrad («Einflussfaktoren auf die Verzinsung von Altersguthaben in der beruflichen Vorsorge», Universität St. Gallen, 2026) sowie einer Einordnung von inter-pension.


👉 Vollständige Studie herunterladen


Weitere Auskünfte erteilt Nico Fiore, Geschäftsführer inter-pension, Schwarztorstrasse 26, 3007 Bern, +41 (0)58 502 76 56, nico.fiore@inter-pension.ch.

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