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Finanzplatz Schweiz: Im Spannungsfeld zwischen Regulierung und Gestaltungsfreiheit

  • Autorenbild: Julian Malgiaritta
    Julian Malgiaritta
  • 29. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Verschärfte Kapitalanforderungen als Folge des Credit-Suisse-Debakels binden den Finanzplatz gerade zurück, im internationalen Wettbewerb um neue Vermögen im vollen Ausmass zu punkten. Auch wenn es darum geht, das Wealth Management unter Einbindung neuer Technologien effizienter zu gestalten, besteht Aufholbedarf.


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Der Schweizer Finanzplatz ringt um seinen Platz im internationalen Marktgefüge. Der Untergang der Credit Suisse war dem Ruf der hiesigen Bankenlandschaft nicht eben zuträglich. Gestärkt hat er gleichzeitig die Position ausländischer Banken in der Schweiz. Sie profitieren davon, dass Schweizer Unternehmen mit starkem Auslandgeschäft gezwungen waren, ihre Bankenbeziehungen neu zu organisieren, um ein Klumpenrisiko zu vermeiden.


Während an konkurrierenden Finanzmärkten die Regulierungen im aktuellen Umfeld eher gelockert werden, will der Bundesrat mit der strengsten Regulierung der Welt und dementsprechend strengen Kapitalanforderungen punkten. Wenn dieses «Qualitätsmerkmal» allerdings die internationale Wettbewerbsfähigkeit des hiesigen Finanzplatzes beeinträchtigt und die Innovationskraft einschränkt, dürfte dies nicht zielführend sein. Dementsprechend strebt die UBS nach einem Kompromiss bei der geplanten Verschärfung der Eigenmittelvorschriften nach der Integration der Credit Suisse.


Ebenso vehement, wie die Medien vor diesem Hintergrund darüber spekulieren, dass die globale Grossbank ihren Hauptsitz in die USA verlegen könnte, um den Kapitalanforderungen entgehen, wird die UBS nicht müde, ihr Bekenntnis zur Schweiz zu bekräftigen. Zuletzt erhielt sie in ihrem Ansinnen Schützenhilfe seitens einer Gruppe bürgerlicher Ständerätinnen und -räte. Sie sprechen sich in einem Kompromissvorschlag für eine gemässigtere Anpassung der Regulierung aus. Die ausländischen Tochtergesellschaften sollen zwar auch nach ihrem Dafürhalten vollständig mit Eigenmitteln unterlegt werden, dies allerdings nicht ausschliesslich mit hartem Eigenkapital, wie der Bundesrat dies fordert. Bis zur Hälfte sollen auch AT1-Anleihen angerechnet werden können, die sich im Krisenfall in Eigenkapital umwandeln oder abschreiben lassen. Ob dies der Annäherung zwischen Aufsicht und Grossbank zuträglich ist, muss sich noch zeigen.


Ob des medienwirksamen Ringens zwischen der Aufsicht und der UBS sind die klassischen Werte, die den heimischen Finanzplatz weiterhin ausmachen, etwas in den Hintergrund geraten. Die staats- und rechtspolitische Stabilität, das ausgewiesene Fachwissen und die langjährige Tradition in der Betreuung ausländischer Kunden haben in letzter Zeit nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüsst. Im Gegenteil: Angesichts der immer fragileren Sicherheitslage der Welt konnte die Schweiz ihre Position als «Hafen» für ausländische Vermögenswerte weiter stärken. Die hierzulande verwalteten Vermögen befinden sich auf einem historischen Höchststand. Die Hälfte davon stammt aus dem Ausland. In Europa rückte die Schweiz auf Platz 3 vor.


Anlass, sich auf den Lorbeeren auszuruhen, besteht allerdings nicht. Die neuen Finanzzentren in Asien und dem Nahen Osten wachsen rasant und bieten enormen Wachstumsmöglichkeiten. Schweizer Finanzdienstleister sind vor Ort präsent, um neues Vermögen zu gewinnen. Ein Wachstum der verwalteten Vermögen bindet allerdings unter den neuen Regulierungsbestimmungen Eigenmittel in grossem Ausmass und schränkt so die Möglichkeit ein, in die ebenso notwendige technologische Weiterentwicklung zu investieren. Denn wenn es um neue Anlageformen und den Einsatz neuer Technologien geht, dreht sich das Rad weltweit gerade sehr schnell. Insbesondere im Bereich einer effizienteren Gestaltung des Wealth Managements sehen Experten viel Potenzial.


Bei der UBS kommt erschwerend hinzu, dass sich die Migration der Credit-Suisse-Kunden hinzieht und Unsummen verschlingt. Ein gesundes Mass zwischen sinnvoller Risikoprävention und gesundem, breit abgestütztem Vermögenswachstum zu finden, ist unabdingbar, wenn die Schweiz ihren Platz im internationalen Gefüge erfolgreich verteidigen und stärken will. Und unter geschicktem Nutzen neuer Technologien Leuchtturm in effizientem Wealth Management zu werden, sollte für den hiesigen Finanzplatz ebenso Ansporn sein.

 
 
 

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