Pulverfass Staatsverschuldung
- Julian Malgiaritta

- 29. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Der unaufhaltsame Anstieg der globalen Schuldenquote schürt zunehmend die Angst vor einer Staatsschuldenkrise. Besorgt zeigen sich bislang vornehmlich Organisationen wie der Internationale Währungsfonds und die Weltbank. Optimisten sehen derweil in den staatlichen Investitionsprogrammen einen Wachstumsmotor für die Wirtschaft. Eine Gesamtbetrachtung der Risikolage tut not.

Die Augen der Investoren bleiben auf den Ukraine-Krieg, den Gaza-Konflikt und die US-Zollpolitik gerichtet, die unverändert die medialen Schlagzeilen bestimmen und für anhaltende Verunsicherung sorgen. Die Aktienmärkte zeigten sich davon allerdings auch 2025 weitgehend unbeeindruckt und erreichten teilweise neue Höchststände.
Derweil zieht am Horizont neues Unheil auf, das bislang erst wenig Beachtung findet respektive dessen Relevanz von einzelnen Expertinnen und Experten gar heruntergespielt wird: Weltweit schraubt sich die Staatsverschuldung unaufhaltsam in bedrohliche Höhen. Global erreichte sie Ende 2025 erneut ein Rekordhoch.
Die Spitze der am stärksten verschuldeten Staaten führen dabei aber schon längst nicht mehr Entwicklungs- und Schwellenländer an. Dort gilt es weitgehend als Normalfall, dass die Verschuldung die Wirtschaftsleistung übersteigt. Vielmehr sind es Industrieländer, die in rasantem Tempo Schulden anhäufen. Seit der Finanzkrise von 2008 ist ihre Verschuldung besonders rasant gewachsen und durch die Corona-Pandemie förmlich explodiert. Die Schuldenquote der G7-Staaten erreichte im Herbst 2025 einen Höchststand von über 125 Prozent. Zum Vergleich: Ende des Zweiten Weltkriegs machte dieser Wert 132 Prozent aus. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank warnen denn auch schon seit geraumer Zeit vor einer globalen Staatsschuldenkrise.
Unaufhaltsamer Anstieg der Schuldenquote

Dennoch dürften die Schuldenberge ungebremst weiterwachsen. Denn der laufende Unterhalt und der nötige Ausbau der Infrastruktur, Bildungsmassnahmen, die steigenden Ausgaben für die Verteidigung und die Finanzierung der Energiewende sowie die Bewältigung von Naturkatastrophen erfordern in absehbarer Zeit weitere staatliche Investitionen in enormem Umfang.
Gewisse Experten stellen sich nun auf den Standpunkt, dass die Dimension der Verschuldung unproblematisch sei, da ja diverse Branchen von den staatlichen Investitionen profitieren würden, die Staaten also für Wirtschaftswachstum sorgen. Diese Betrachtungsweise ist allerdings einseitig. Zwar profitieren nachfolgende Generationen von solchen Investitionen, sie werden aber auch unter der Schuldenlast leiden, die dafür angehäuft wird. Hinzu kommt, dass sich etliche Länder in den kommenden Jahren umfangreich verschulden müssen, um die Langlebigkeit finanzieren zu können. Aus Rentenzahlungen entstehen für nachfolgende Generationen kein Vorteil. Oder wie es alt Bundesrat Ueli Maurer zu seiner Zeit als Finanzminister ausdrückte: «Wenn wir Schulden machen, geben wir das Geld unserer Kinder aus.»
Als tickende Zeitbombe erweist sich zudem der Schuldendienst. Die Zinsen, die auf dem aufgenommenen Fremdkapital zu zahlen sind, veranlassen diverse Staaten, das Zinsniveau künstlich tief zu halten, um den Schuldendienst weiter gewährleisten zu können. Denn ein Zinsanstieg könnte die betreffenden Länder in eine arge finanzielle Bredouille bringen und zudem die Unabhängigkeit der Notenbanken gefährden. So geben die USA heute schon mehr Geld für Zinszahlungen aus, als für ihr Militär. Je höher die Schulden und die Zinszahlungen ausfallen, desto weniger Mittel stehen für Investitionen zur Verfügung.
Sorge bereitet dem IWF aber auch, dass die ausgewiesene Staatsverschuldung nicht der tatsächlichen entsprechen könnte. Sie drängt darum darauf, in zweierlei Hinsicht Transparenz bei den sogenannten versteckten Schulden (Hidden Debt) zu schaffen. Länder, die neben den klassischen Anleihen über eine weitere Kreditinstrumente Geld beschaffen, sollen diese zukünftig ausweisen müssen. Gleichzeitig sollen sie die Schulden staatlicher und staatsnaher Betriebe offenlegen. Damit sollen Schuldenkrisen aus den Nichts vermieden und einem Vertrauensverlust seitens der Investoren entgegengewirkt werden.
Mustergültige Schweiz
Die Schweiz bildet in der globalen Landschaft der Staatsschuldner die grosse Ausnahme. Mit etwas über 140 Milliarden Franken respektive einer Schuldenquote von unter 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts ist sie der «Musterknabe» unter den Staatsschuldnern. Die vergleichsweise tiefe Verschuldung verdankt sie der 2003 eingeführten, verfassungsrechtlich verankerten Schuldenbremse, die den Bund verpflichtet, seine Ausgaben im Gleichgewicht mit den Einnahmen zu halten, um so chronische Defizite sowie eine steigende Verschuldung zu vermeiden.
In Ausnahmefällen wie der Corona-Pandemie kann er die Schuldenbremse lockern, muss die so entstandenen Schulden aber zeitnah zurückzahlen. In Deutschland, das den selben Mechanismus kennt und eine ähnlich tiefe Verschuldung wie die Schweiz aufweist, werden aktuell zunehmend Stimmen laut, die eine Lockerung der Schuldenbremse fordern, um die steigenden Verteidigungskosten finanzieren zu können.



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