Frauen treiben Wachstum von ETFs in der Schweiz
Der Trend zu börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs) setzt sich in der Schweiz fort: Mittlerweile nutzt mehr als ein Drittel der Schweizer Anlegenden ETFs. Besonders stark wächst die Nutzung bei Frauen, deren ETF-Wissen sich zugleich deutlich verbessert. Gleichzeitig wandelt sich die Informationsbeschaffung: FinFluencer erreichen vor allem junge Anlegende und tragen insbesondere bei Frauen zu einem besseren Finanzverständnis bei. Das zeigt die neue ETF-Anlegerstudie Schweiz der Hochschule Luzern.
Diese kompakte Analyse fasst die wichtigsten Erkenntnisse der ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 der Hochschule Luzern zusammen und zeigt, wie sich das Anlageverhalten in der Schweiz verändert und welche Rolle Frauen, junge Anlegende und FinFluencer dabei spielen.

Die vollständige Studie finden Sie hier:
ETFs prägen zunehmend den Schweizer Fondsmarkt
Innerhalb eines Jahres ist der Anteil Schweizer Anlegerinnen und Anleger, die ETFs nutzen, von 31 Prozent im Jahr 2025 auf nun 35 Prozent gestiegen (Abbildung 1). Besonders verbreitet sind ETFs bei Jüngeren: 44 Prozent der unter 45-Jährigen investieren mittlerweile in ETFs, gegenüber 26 Prozent der Anlegenden ab 45 Jahren.

Frauen holen beim Thema ETFs auf
Besonders stark wächst die ETF-Nutzung bei Frauen: Im Vergleich zum Vorjahr steigt der Anteil der Anlegerinnen mit ETFs um sechs Prozentpunkte auf 27 Prozent, bei Männern lediglich um einen Prozentpunkt (Abbildung 2). Damit entfallen 70 Prozent des gesamten Zuwachses auf Frauen. «Der starke Zuwachs bei Frauen zeigt, dass ETFs in immer breiteren Anlegerkreisen Fuss fassen. ETFs sind auf dem Weg, klassische Anlagefonds als Standardprodukt in Schweizer Anlageportfolios abzulösen – insbesondere bei Jüngeren», ordnet Studienleiter Brian Mattmann von der Hochschule Luzern ein. Parallel zur steigenden Nutzung verbessert sich auch das ETF-Wissen: Der Anteil der Frauen mit mindestens grundlegenden ETF-Kenntnissen steigt von 38 auf 44 Prozent. Bei Männern liegt dieser Anteil unverändert bei 64 Prozent. Die Wissenslücke zwischen Frauen und Männern wird damit kleiner, bleibt aber beträchtlich. Ermittelt wurde das ETF-Wissen anhand von acht standardisierten Wissensfragen.

FinFluencer als wichtiger Informationskanal für jüngere Anlegende
FinFluencer erreichen besonders häufig ETF-Anlegende: 37 Prozent hatten bereits Kontakt mit ihnen, gegenüber 22 Prozent aller Schweizer Anlegenden. Bei ETF-Anlegenden unter 45 Jahren sind es sogar 51 Prozent. ETFs stehen dabei im Fokus: 74 Prozent der ETF-Anlegenden mit FinFluencer-Kontakt haben entsprechende Inhalte wahrgenommen.
Besonders ausgeprägt ist der Einfluss bei Frauen: 77 Prozent der ETF-Anlegerinnen mit Kontakt zu FinFluencern geben an, dass diese ihr Verständnis von Finanzanlagen verbessert haben (Abbildung 3). Bei mehr als jeder zweiten wurde nach eigenen Angaben auch ein Kaufentscheid beeinflusst. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei 30 Prozent. «FinFluencer sind mehr als ein Randphänomen der Finanzkommunikation, sie vermitteln Wissen und können sogar Anlageentscheide beeinflussen», sagt Co-Studienautor Jürg Fausch von der Hochschule Luzern. Damit wachse auch die Verantwortung. «Wer Anlageentscheide mitprägt, trägt Verantwortung. Umso wichtiger sind fachlich fundierte Inhalte und Transparenz über kommerzielle Interessen – das gilt für FinFluencer ebenso wie für ihre Auftraggeber», betont HSLU-Kollege Mattmann.

Aktive ETFs sorgen für mehr Auswahl – aber auch mehr Komplexität
Auch das ETF-Angebot verändert sich. ETFs stehen nicht länger ausschliesslich für passives Investieren: 13 Prozent der in der Schweiz verfügbaren ETFs werden mittlerweile aktiv verwaltet. Zudem entfällt fast jeder zweite neu lancierte ETF auf einen aktiven ETF (Abbildung 4). Doch die grössere Auswahl erhöht zugleich die Anforderungen an das Produktverständnis. 43 Prozent der Befragten, die sich gegen aktive ETFs aussprechen, nennen ein unzureichendes Verständnis des Produktkonzepts als wichtigsten Grund. «Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet die grössere Auswahl auch, dass Produktwissen wichtiger wird. ETFs sind heute nicht mehr automatisch gleichbedeutend mit passivem Investieren», sagt Timo Böhninger von finanzen.ch, der Auftraggeberin der Studie.

Mehr als 110’000 selbstverwaltete ETF-Sparpläne
Die Studie erfasst erstmals auch den Schweizer Markt für ETF-Sparpläne. «Mit ETF-Sparplänen können Anlegende eigenständig ETFs auswählen und regelmässig automatisiert einen festgelegten Betrag investieren», erklärt Co-Autor Karsten Döhnert von der Hochschule Luzern. Bei den analysierten Anbietern bestehen derzeit mehr als 110’000 selbstverwaltete ETF-Sparpläne mit einem Anlagevermögen von über 800 Millionen Franken. Gemessen an der Zahl der Investoren besteht weiterhin Wachstumspotenzial. Bislang nutzen erst 14 Prozent im freien Vermögen einen ETF-Sparplan, während rund ein Drittel Interesse an einem solchen Angebot bekundet. Die ETF-Anlagelösung ist vor allem bei jungen Menschen verbreitet: 73 Prozent derjenigen, die einen ETF-Sparplan nutzen, sind unter 45 Jahre alt.
ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026
Die ETF-Anlegerstudie Schweiz 2026 der Hochschule Luzern untersucht die Entwicklung des Schweizer ETF-Marktes sowie das Anlageverhalten der Schweizer ETF-Anlegerschaft. Im Zentrum stehen unter anderem die Verbreitung und Nutzung von ETFs, das ETF-Wissen, Informationskanäle und FinFluencer, die Bedeutung der ETF-Anbietermarke sowie ETF-Sparpläne und neue Produktentwicklungen wie aktive ETFs. Finanzen.ch hat die Studie bei der HSLU beauftragt. Dazu wurde vom 28. Mai bis 9. Juni 2026 mit dem Schweizer Marktforschungsinstitut intervista eine Umfrage unter 3‘572 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren in der Deutsch- und Westschweiz durchgeführt. Die Repräsentativität bezieht sich auf Alter, Geschlecht und Sprachregion. Die wissenschaftliche und inhaltliche Verantwortung liegt vollumfänglich bei der Autorenschaft der HSLU.
Fazit: Schweizer Anleger kennen die Vorteile von ETFs, doch das Wissen ist sehr ungleich verteilt
Der Schweizer ETF-Markt wächst deutlich schneller als der Markt für klassische Anlagefonds und vereint inzwischen rund ein Viertel des gesamten Fondsvermögens. Gleichzeitig zeigt die Studie ein zweigeteiltes Bild: ETF-Anleger verfügen über ein auffallend hohes Produktwissen und reagieren sensibel auf Kosten, während Nicht-ETF-Anleger die Vorteile und vor allem die tiefen Gebühren von ETFs deutlich unterschätzen. Auch bei ETF-Fondssparplänen und Aktiven ETFs besteht erhebliches, bislang kaum genutztes Potenzial.
Für Finanzdienstleister bedeutet das: Wer ETFs verständlich erklärt, Kostenvorteile transparent macht und passende Sparplanlösungen anbietet, kann sowohl bestehende ETF-Anleger ausbauen als auch neue Kundinnen und Kunden gewinnen.
Über den Herausgeber
Dieser Beitrag basiert auf der «ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025» der Hochschule Luzern, herausgegeben von Finanzen.ch. Die Studie wurde von Dr. Brian Mattmann, Prof. Dr. Karsten Döhnert, Prof. Dr. Jürg Fausch und Angelo Gattlen erstellt. Platinsponsor der Studie ist iShares by BlackRock, weitere Sponsoren sind BX Swiss, Swisscanto, UBS und Vanguard.
Weitere Auskünfte erteilt Dr. Brian Mattmann , Lecturer & Researcher in Asset Management HSLU, Suurstoffi 1, 6343 Rotkreuz, +41 41 757 67 91, brian.mattmann@hslu.ch.



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