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Starkes Fundament, zu wenig Tempo: Die Schweiz unter Druck im digitalen Finanzmarkt

vor 23 Stunden
5 Min. Lesezeit
  • Die Swiss Blockchain Federation (SBF) veröffentlicht die erste globale Benchmark-Studie "Infrastructure first". Sie vergleicht 15 internationale Finanzplätze und platziert die Schweiz auf Rang 6.

  • Die Schweiz hat starke Grundlagen, aber Aufholbedarf. Bei Rechtssicherheit und digitaler Marktinfrastruktur ist sie gut aufgestellt. Beim Tempo, bei der internationalen Vernetzung und der Skalierung verliert die Schweiz am Boden.

  • Die SBF fordert von der Schweiz einen höheren Gang: schnellere regulatorische Verfahren, bessere Marktzugänge und eine klare strategische Positionierung für institutionelle digitale Vermögenswerte.


Wertschriften, Anleihen, Fonds oder Zahlungsmittel können heute tokenisiert werden. Eigentums- und Zahlungsrechte werden in digitalen Einheiten, sogenannten Tokens, abgebildet und über eine regulierte Blockchain-Infrastruktur übertragen. Weltweit ist deshalb ein Wettbewerb entbrannt, wer diese Infrastruktur aufbaut, betreibt und deren Standards prägt. Dabei geht es um weit mehr als nur um Technologie: Es geht um Wertschöpfung, qualifizierte Arbeitsplätze und strategischen Einfluss im Finanzsystem der Zukunft. Für die Schweiz steht viel auf dem Spiel.


Balkendiagramm zum Blockchain-Ranking 2026 der SBF-Studie: USA führen mit 85 Punkten, die Schweiz (rot markiert) liegt mit 75,62 Punkten auf Rang 6 von 15 Finanzplätzen.

Die vollständige Studie finden Sie hier:



Ein Weckruf für die Schweiz

Genau deshalb hat die Swiss Blockchain Federation mit Unterstützung der AMINA Bank und von MME die "SBF Global Benchmark Study 2026: Infrastructure first" erstellt. Die Studie beantwortet die strategische Frage, wo die regulierte Finanzmarktinfrastruktur der nächsten Generation entsteht — und ob die Schweiz dabei eine führende Rolle behält.


Das Ergebnis ist ein Weckruf: Die Schweiz belegt im Vergleich der 15 untersuchten globalen Standorte Rang 6. Vor ihr liegen die USA, Singapur, das Vereinigte Königreich, Deutschland und Japan; Luxemburg folgt unmittelbar dahinter. Die Studie vergleicht die Standorte in elf Dimensionen, zeigt ihre jeweiligen Stärken und Schwächen und leitet daraus eine konkrete strategische Agenda für die Schweiz ab.


Weltklasse bei Fundamenten—Aufholbedarf bei Tempo, Vernetzung und Skalierung

Die Schweiz verfügt weiterhin über aussergewöhnlich starke Grundlagen. Dazu gehören ein früher DLT-Rechtsrahmen, rechtliche Klarheit, eine regulierte digitale Marktinfrastruktur, spezialisierte Banken und Custodians sowie eine erstklassige Forschungslandschaft und ein breites Ökosystem. Doch der Vorsprung aus der Vergangenheit schmilzt. Andere Finanzplätze haben aus den Schweizer Stärken gelernt und setzen diese heute schneller in marktnahe Lösungen, internationale Vernetzung und neue Anwendungen um.

Die Studie sieht den grössten Aufholbedarf in drei Bereichen. 

Erstens fehlt es an Umsetzungstempo;

der nächste regulatorische Entwicklungsschritt kommt zu langsam. Die Revision des Finanzinstitutsgesetzes (FINIG), fehlende praxistaugliche Rahmenbedingungen für CHF-Stablecoins und wenig berechenbare Verfahren der Finanzmarktaufsicht (FINMA) bremsen die Umwandlung von Rechtsklarheit in neue Geschäftsmodelle und produktive Anwendungen.

Zweitens fehlt es an Markttiefe, an Liquidität und an internationaler Anbindung. 

Der Schweizer Heimmarkt ist strukturell klein. Entscheidend ist deshalb, dass Schweizer Marktinfrastrukturen, Banken und Custodians grenzüberschreitend anschlussfähig werden und Zugang zu internationalen Emittenten, Investoren und Handelsplätzen erhalten. Ohne diese Vernetzung bleibt selbst eine erstklassige Infrastruktur unter ihrem Potenzial.

Drittens besteht Aufholbedarf bei AI × Blockchain und Talent. 

Die Schweiz ist in Forschung und Ausbildung stark. Sie setzt diese Stärke jedoch noch zu selten in skalierbare Anwendungen für Compliance, Risikomanagement, Cyberresilienz und Abwicklung um. Der Wettbewerb wird künftig nicht nur durch Technologie, sondern auch durch die Fähigkeit entschieden, Technologie in regulierte Finanzmarktprozesse zu überführen.

Heinz Tännler, Präsident der Swiss Blockchain Federation:

«Diese Studie verdeutlicht, weil der Wettbewerb um die Infrastruktur der Zukunft nicht irgendwann beginnt – er läuft bereits. Die Schweiz hat ein starkes Fundament. Aber wir dürfen nicht annehmen, dass rechtliche Qualität und Vertrauen allein ausreichen. Wir müssen beides wieder schneller in internationale Relevanz, konkrete Anwendungen und dauerhafte Wertschöpfung übersetzen.»


Fünf Forderungen der SBF für den Finanzplatz Schweiz


1. Innovation und Tempo bei FINMA stärken.

Innovation soll wieder explizit als strategisches Ziel verankert werden. Lizenzverfahren müssen klarer, schneller und berechenbarer werden.

2. Einen praxistauglichen Rahmen für CHF-Stablecoins und digitale Geldformen schaffen. Der Rahmen muss technologieneutral, verhältnismässig und risikobasiert sein und sichere institutionelle Anwendungen ermöglichen.

3. Internationalen Marktzugang verbessern.

Die Schweiz muss zusätzliche gezielte Marktzugangsvereinbarungen verfolgen und könnte beispielsweise die Weiterentwicklung des Abkommens mit dem Vereinigten Königreich für digitale Finanzdienstleistungen vorantreiben.

4. Liquidität und Marktvernetzung vertiefen.

Schweizer Marktteilnehmer müssen über interoperable Verbindungen Zugang zu internationalen Handels-, Verwahr- und Abwicklungsplattformen erhalten — und damit zu mehr Emittenten, Investoren und Liquidität.

5. Technologie und Talent schneller in den Markt bringen.

Forschung, Finanzindustrie und Infrastrukturbetreiber sollen Anwendungen in AI × Blockchain, Compliance, Cyberresilienz und programmierbarer Abwicklung gemeinsam zur Marktreife bringen.

Die Forderungen zielen nicht auf eine schwächere Aufsicht. Sie zielen auf eine Aufsicht und einen Rechtsrahmen, die Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und Anlegerschutz miteinander verbinden.


Eine Schweizer Nische statt des Versuchs, grössere Märkte zu kopieren

Die Studie empfiehlt der Schweiz nicht, New York, London oder Singapur nachzuahmen. Ihr Potenzial liegt vielmehr in einer klaren, verteidigungsfähigen Nische: als vertrauenswürdiger, neutraler und international vernetzter Standort für institutionelle digitale Vermögenswerte. Dazu gehören tokenisierte Anleihen, Fonds, Sicherheiten und Private-Market-Assets, institutionelle Verwahrung sowie programmierbare, grenzüberschreitende Abwicklung.


Was die Studie zeigt

Die "SBF Global Benchmark Study 2026" vergleicht 15 globale Finanz- und DLT-Standorte in elf Dimensionen. Sie enthält die Rangliste, Länderprofile, eine Analyse der Stärken und Lücken der Schweiz, internationale Fallbeispiele sowie konkrete Empfehlungen zu Regulierung, digitalen Geldformen, Marktzugang, Interoperabilität, Cyberresilienz und der Verbindung von AI und Blockchain. Sie liefert damit eine faktenbasierte Grundlage für Politik, Behörden, Finanzindustrie, Technologieunternehmen und Wissenschaft.


Franz Bergmüller, CEO AMINA Bank: «Die frühen FINMA-Lizenzen für digitale Vermögenswerte im Jahr 2019 verschafften der Schweiz einen Vorsprung bei der digitalen Regulierung. Dieser Vorteil ist real, und der vorliegende Bericht bestätigt diese Stärken. Gleichzeitig zeigt er aber auch, dass andere Länder und Standorte an Tempo zulegen. Wir belegen den 6. Platz. AMINA ist in vier Jurisdiktionen tätig. Dadurch sehen wir, dass die Ausgangslage der Schweiz weiterhin stark ist. Um jedoch an der Spitze zu bleiben, müssen wir mit dem Tempo Schritt halten, das wir in anderen Jurisdiktionen wie Hongkong, der EU, den Vereinigten Arabischen Emiraten und den USA beobachten. Digitale Vermögenswerte sind Realität. Jetzt müssen wir einen Gang höher schalten.»

Gleichzeitig wird deutlich, dass Anleger Trends differenzierter beurteilen. Während Themen wie Technologie, Infrastruktur oder nachhaltige Anlagen weiterhin hohe Aufmerksamkeit geniessen, zeigt sich eine wachsende Vorsicht gegenüber überhitzten Segmenten. Die Studie macht klar: Anleger reagieren nicht mehr nur auf Schlagzeilen, sondern zunehmend auf fundierte Analysen und nachvollziehbare Daten. Das führt zu stabileren Portfolios und einer insgesamt reiferen Anlagestruktur, die weniger von kurzfristigen Emotionen geprägt ist.


Dr. Andreas Glarner, Legal Partner, und Thomas Linder, Tax Partner, MME: ««Die Schweiz sollte beim digitalen Eigentum wieder den Anspruch haben, weltweit Massstäbe zu setzen. Dafür brauchen wir einen verlässlichen Rechtsrahmen, der digitale Vermögenswerte nach ihren tatsächlichen Funktionen beurteilt. Regulierung sollte Innovation ermöglichen, nicht ihr hinterherlaufen.»


Als Network Partner der Studie profitieren FINANZ Besucherinnen und Besuchern von einem exklusiven Rabatt von 20% auf den Kauf der «SBF Global Benchmark Report 2026: Infrastructure First» angeboten.

Die Studie ist ab sofort im Onlineshop der Swiss Blockchain Federation erhältlich: zum Shop. Für den Rabattcode wenden Sie sich bitte an info@finanz-ch.ch.



Über die Swiss Blockchain Federation

Die Swiss Blockchain Federation (SBF) ist eine Public-Private-Initiative zur Förderung von Innovationen im Bereich Blockchain und digitaler Vermögenswerte. Sie vereint Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mit dem Ziel, die Attraktivität und internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz als Blockchain-Standort zu stärken. Als Bindeglied zwischen Wirtschaft, Regulierung und Politik setzt sich die SBF für Rechtssicherheit, innovationsfreundliche Rahmenbedingungen und die breite Anwendung blockchainbasierter Lösungen ein. Mit ihren Facharbeitsgruppen, Publikationen und ihrem politischen Engagement fördert die Föderation den fachlichen Dialog, setzt Impulse für die strategische Weiterentwicklung des Themengebiets und leistet einen Beitrag zur langfristigen Entwicklung eines dynamischen und vertrauenswürdigen Blockchain-Ökosystems.


Weitere Auskünfte erteilt Sofia Nicoli, Junior Consultant bei furrerhugi. ag, Bleicherweg 14


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